Donnerstag, 8. Oktober 2009

Apocalypse Yesterday

Sodele, eigentlich wollt ich ja gestern den Bericht über Salvador schreiben. Da ist aber leider was dazwischen gekommen.

Angefangen hat alles mit einer Pizza und ner Flasche Wein, die ich runter zu Jenni-Fee genommen habe, um den Abend gemütlich anklingen zu lassen und später mich zwei Stunden hinzusetzen und den Blogeintrag zu schreiben. Vorher wollten wir noch Easy Rider gucken, der (ganz böse) bereits auf kino.to am laden war. In ihrem Zimmer saß bereits Leandro und zusammen laberten wir ein bisschen über den Tag, aßen Pizza und tranken die ersten Schlucke während es draußen anfing, zu reden. Ich korrigiere, ein Unwetter zog auf. Ein Gewitter. Nein, ein wahrer Sturm. Innerhalb kurzer Zeit prasselte der Regen auf die Straße und verwandelte sie in einen kleinen Bach, der Wind fegte Jenni-Fees Topfpflanze vom Fensterbrett und auf dem Balkon floss das Wasser nicht mehr schnell genug ab. Ich meinte zu Jenni, sie müsste bei Gewitter aufpassen mit dem Strom, bei Blitzeinschlägen könnte das ihren Laptop zerreißen und - ZACK! - ging das Licht in der Wohnung aus und wir saßen im Dunkeln. Auf Leandros Vorschlag hin schlug ich dem Strom vor, wieder zurück zu kommen, was er auch tat, allerdings nur für zwei Sekunden. Wir hatten unsern Spaß.

Auch in der nächsten Viertelstunde, in der wir nach draußen lugten und ich den Vorschlag machte, wir sollten rausgehn und durch den Regen laufen weil die Temperaturen das hier schließlich erlaubten und dies definitiv eins der schlimmsten Unwetter ist, das wir erleben werden. Irgendwann fiel mir ein, dass ich mein Fenster noch offen hatte und ich ging nach oben, um es zu schließen. Leider ein wenig zu spät. Der Regen hatte die Hälfte meines Zimmers erreicht, meine gesamten Texte und die Hälfte meiner Bücher durchnässt, meinen Laptop mit Regentropfen übersäht und ein Drittel meiner Matratze bewässert. Fluchend verfrachtete ich im Dunkeln die verschiedenen triefenden Sachen ins Trockene und schloss die Fenster, während der Bruder von Renata (sie selbst war grad nicht da) und Alice mit der einzigen Kerze in der Wohnung herumirrten und trockene Wäsche vom Balkon nach drinnen holten. In Renatas Zimmer tropfte die Lampe. Ja, die Lampe. Uns ist bis jetzt nicht klar geworden, wie sowas passieren kann, aber ich holte sofort meien Kamera und machte eine kleine Filmaufnahme, bevor leider meine Batterien ausgingen und mir weitere Fotos verwehrt wurden (deswegen kann ich den Film auch noch nicht hochladen). Nun denn, ich ging wieder runter, wo Jenni inzwischen bemerkt hatte, das geschlossene Fenster den Regen auch nicht wirklich davon abhielten, in ihr Zimmer zu gelangen. Draußen konnten wir Autos sehen, die auf der Straße parkten und nicht weiterfuhren.

Da ich nichts besseres zu tun hatte und der Strom nicht wiederzukommen schien, hab ich mir Schuhe angezogen und bin rausgegangen, um den Sturm aus nächster Nähe zu erleben. Was für ein Spaß, die gesamte Straße glich eher einem Fluss und da sie abschüssig ist floss das ganze Wasser zwanzig Meter weiter runter zur Kreuzung, wo es sich aufstaute. Ich watete durch die Fluten zur Kreuzung, hörte aber bei knapp unter Hüfthöhe auf, weiter zu gehen, da ich keine Lust auf eine Blasenentzündung hatte. Das ganze war zwar rational betrachtet weder ungefährlich noch besonders ästhetisch, da der ganze Müll der Nachbarschaft von den Wassermengen mitgenommen wurde und außerdem die Strommasten am Straßenrand auch nicht sonderlich stabil sind und wenn eins dieser Stromkabel reißt ist es sicherlich nicht sehr angenehm, in den Fluten zu waten, aber in dem Moment hab ich einfach nicht zu viel daran gedacht und mir lieber das Auto angeschaut, dessen Reifen nicht mehr zu sehen werden und welches, als ob es nach Hilfe schreien würde, seine Alarmanlage auf Dauerbetrieb hatte. Ich bezweifle, dass es heute fahrtüchtig ist, es wird wohl mit Wasser vollgelaufen sein. Nach ein paar witzigen Gesprächen mit aus dem Fenster guckenden Nachbarn schoss ich noch ein paar verwischte Fotos (weil der Blitz kaputt war) mit Jennis Kamera, rettete ihre Topfpflanze (ich Held) und ging wieder hinein, um mich zu duschen. Kalt und im Dunkeln, da ja kein Strom. Danach war es noch ein witziges Unterfangen, meine trockene Wäsche nach Unterhosen und Tshirts zu durchsuchen und diese anzuziehen, zumal ich mein Feuerzeug im Zimmer hatte fallen lassen und es nicht wieder fand. Ungünstig, aber ich kann ja lachen über sowas.
Die ganze Baggage (lies: Leandro, Renatas Bruder, Alice, Jenni und ich) landete schließlich bei Jenni im Zimmer. Als erstes wollten wir Pizza bestellen, weil unsere Nachbarn grad eine geliefert bekommen haben und wir das für eine lustige Idee hielten, der Regen hatte schließlich auch schon aufgehört. Der nette Pizzamann erklärte uns allerdings am Telefon, das ihr Block auch keinen Strom hatte. Dann halt nicht. Mangels Licht und Strom setzten wir uns alle im Kreis auf den Boden und unterhielten uns, beziehungsweise begannen kleine Spiele zu spielen. Irgendwann erklärte und Leandro ein Trinkspiel, dass er mit zehn Jahren das letzte mal gespielt hatte (damals mit Wasser ^^). Mein Kommentar: Von der Party ist noch eine Flasche Wodka übrig. Gesagt getan, innerhalb kürzester Zeit saßen wir mit einer einzelnen Kerze, meinem Handy und zwei Feuerzeugen als temporärer Beleuchtung im Kreis und spielten Karten. Den Wein hatten Jenni und ich schon leer bekommen, daher war ich mit den drei Wodkas die ich trinken musste dann auch gut bedient. Währenddessen schlief Alice hinter mir in Jennis Bett ein. Die Arme hatte zwischendurch echt Angst und musste mehrmals auf den Arm genommen werden. Es war aber auch eins dieser Unwetter, was einen die Naturgewalt sprüen lässt, gegen die der Mensch nun mal hilflos ist. Noch vor zwölf waren wir mit unsern Spielchen fertig, da die meisten auch am nächsten Tag zur Arbeit/Uni/Schule mussten (außer mir, ich hatte heute frei). Dementsprechend bin ich hoch und hab mich in mein nasses Bett gelegt.

So viel zu der Verzögerung, heute hab ich ein Bisschen die Küche geputzt und es mir gut gehen lassen, deshalb wird der Bericht wohl erst morgen geschrieben (heute hab ich noch Capoeira).

Von Jan weiß ich als einzigem, dass er sich die Wassermengen vorstellen kann, es war so wie damals in Budapest... nur nachts und mit Blitz und Donner und viel Wind ;)

4 Kommentare:

  1. ohja, tropenregen ist toll ^^
    hab sowas auch nur einmal erlebt, als ich meinen vater in malaysia besucht hab. am tag unseres abflugs in kuala lumpur sind meine eltern, meine freundin patrizia und ich noch in der stadt unterwegs gewesen und sind vom regen überrascht worden. wir hatten große mühe, wieder zum hotel zurückzugelangen, weil wir in einem tiefergelegenen teil der stadt waren und uns gegen die wasserströme auf den straßen nach oben kämpfen mussten. im hotel hatten wir leider kein zimmer mehr, sondern nur unser gepäck bis zum abflug am abend gelagert, d.h. wir mussten auf der hoteltoilette nochmal komplett alles auspacken und uns umziehen. ich fands damals toll, dass meine unterwäsche die pinke farbe von meinem kleid angenommen hatte :-P
    muss aber insgesamt nicht so schlimm gewesen sein wie bei euch, weil ich damals in alices alter war und es nicht gruselig fand, obwohl ich immernoch übelst angst vor gewittern hab ^^

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  2. Ohja, bitte mehr Stories!
    Wir machen das hier zu einem Laenderuebergreifenden Austausch ueber Reiseerfahrungen! ;)

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  3. auch eine erfahrung: letztes jahr in indien: land und tempel unter von prasselndem dauerregen, (kein gewitter) mussten die schaetze retten und wateten durch huefthohes wasser ... weiss man ja nie, ob dir da nicht gleich eine schlange in die wade beisst...
    andere gewittergeschichte: im zelt am see als das urgewitter schlechthin auf dem see niederging und wir uns lieber nackt zwischen die sich bildenden sturzbaeche hockten, als im zelt zu bleiben und dort den einschlag abzuwarten. war absolut das irreste naturschauspiel, was ich je gesehen habe (menschliche angst inbegriffen)
    ich habe ja das gefuehl, du kriegst da ziehmlich viel an leben mit!ist doch gut!

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  4. noch eine anmerkung: man soll naemlich seine kinder immer ernst nehmen... :)

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