Montag, 27. Juli 2009

Reise Reise

25. Juli - Abflug

Song des Tages: Joe Cocker - With a little he
lp from my friends

Uuuuund los...
Nach einigen Abschiedsschwierigkeiten und mit schwerem Herzen durch die Sicherheitschecks durch. Angst vor dem bevorstehenden Jahr macht sich zum ersten mal wirklich bemerkbar.

Im Flugzeug sitze ich in der mittleren Reihe, so dass mir leider kein Blick aus dem Fenster gegönnt ist... das ärgert mich besonders später, als wir über Afrika fliegen. Mann, da hätte ich mir die Sahara und so gerne mal länger angeguckt als bloß im Vorbeigehen vom Gang aus :-(
Neben mir zwei Norweger-Backpacker, keine Lust zum Reden...
Ich bin ziemlich ausgebrannt von all dem Stress und den Abschieden der letzten Tage, all die Gedanken und die Mühen, die in die Vorbereitung dieses Auslandsjahres geflossen sind und sich nun einerseits anfühlen, als hätte ich eine große Aufgabe zu Ende gebracht (immerhin gehts jetzt los!), andererseits fühle ich mich so schrecklich unvorbereitet und ganz und gar nicht mehr so losgelöst von zu hause wie noch vor einiger Zeit. Aber ich schätze das ist zum Großteil auch normal.

Die vorgesehenen Filme für den Flug: Mall Cop, Fools Gold und Bride Wars. Und ich hab mich immer gefragt, wozu die Kotztüten da sind. Weil mein Kopf mich nicht allein lässt, versuche ich ihn mit einer abwechselnden Dauerbedröhnung aus Schlaf, Musik und den Filmen abzulenken. Teilweise gleichzeitig. Hilft natürlich nicht. Überhaupt: Warum heißt es wenn es schnell ging "Die Zeit vergeht wie im Flug"??? So ein Schwachsinn, elendig langsam vergeht die Zeit im Flug!
Aus Verzweiflung gucke ich dann doch wirklich die drei Filme. Komplett. Mit Filmkritikermagenschmerzen. Ich gucke sogar eine Folge dieser grausamen Serie "Two and a half men", deren einzige Punchline "Boys will be boys" zu sein scheint, also GENAU mein Ding. Mario Barth light. Warum habe ich eigentlich kein Buch dabei? Wahrscheinlich weil ich selbst gepackt hab... Trottel.

Flugangst hält sich in Grenzen, mulmiges Gefühl hab ich trotzdem bei der Annäherung an das Unglücksgebiet der Air France...
Komme mir auch inzwischen schrecklich naiv vor - bin schließlich das erste Mal über den Ozean und stelle mir vor, wie lustig es wäre, wenn alles ganz anders wäre als ich durch mein Bild von der anderen Seite der Welt bisher gedacht habe. Soll heißen, ich habe über die Möglichkeit nachgedacht, dass im Prinzip mein Bild von Südamerika/Brasilien komplett medial verzerrt sein kann und ich keine Ahnung habe, wie es so aussieht... Das habe ich dann zu meiner Bespaßung soweit getrieben, mir vorzustellen, die Erdanziehungskraft in Südamerika wäre eher die vom Mond und wir würden alle Riesensprünge... ja sorry, ich weiche ab. Elf Stunden Flug will do that to you, außerdem verschafft man sich so ein bisschen Ablenkung ;-)

Über Salvador fliegend sehe ich dann die erste wirkliche Skyline meines Lebens (Nein, Frankfurt zählt nicht :-P). Auch nicht schlecht. Bei der Landung bestätigen sich dann gleich wieder alle Erwartungen und Vorurteile meinerseits: Wir kommen auf einem der größeren internationalen Flughäfen in Salvador an und zwei Meter neben der Landebahn beginnen die Sträucher und Palmen zu wachsen, zwanzig Meter (!) weiter hinten stehen die ersten Wohnhäuser hinter einem popeligen Maschendrahtzaun. Hach, wie ich diese lockere Einstellung gegenüber Sicherheit und Wohnkomfort liebe :)

Da wir eine halbe Stunde zu früh da sind, bin ich nicht ganz so panisch dem Zeitdruck gegenüber. Hintergrund: Bei Condor in Deutschland gab man mir ein Ticket bis nach Salvador, auf Nachfrage erfuhr ich, dass ich immigrieren, mein Gepäck abholen, durch den Zoll damit, wieder einchecken und durch die nächste Security durch sollte. In anderthalb Stunden. Vergebt mir meine Unerfahrenheit aber ich hielt das für fast unmöglich. Grund dafür war laut Condor, dass Belo Horizonte keinen Zoll hat und deswegen das Gepäck in Salvador geprüft werden muss. Um es mit David Lynch zu sagen: Total. Fucking. Bullshit. Anna Lena (meine Vormieterin hier) ist mit nem Direktflug hier her gekommen und meinen Rucksack bzw. meine Zollerklärung (die ich im Flugzeug ausfüllen musste) wollte niemand sehen.
Dafür habe ich beim Immigrieren eine nette Deutsche kennengelernt, die gerade in Barcelona lebt (in Gracia, wo sie natürlich genau jetzt das Straßenviertelfest verpasst). Die Welt ist ein Dorf. In Salvador ist es schon dunkel trotz 18 Uhr Ortszeit (ist ja Winter hier) - einerseits komisch, andererseits passend, da es für mich ja eigentlich schon 23 Uhr ist --> Ich bin gespannt auf den Jetlag.

Umsteigen habe ich mit meiner patentierten Masche (jeder Uniform mit fragendem Gesicht "Belo Horizonte Check In?" entgegenhauchen) ganz gut hinbekommen, war sehr belustigt über die lachhaften Sicherheitsvorkehrungen und die Busfahr-Mentalität vorm Borden: Da kommen Leute teilweise aus einem Flieger raus und gehen zwei Meter zum nächsten, in den sie dann einsteigen. Einfach ein mal beim Fahrer die Fahrkarte zeigen, bitte!

Der zweite Flug war kurz (1:40) und dunkel. Das Pärchen neben mir hat sich fast ausgezogen. Über der Kleidung ging das die ganze Zeit jedenfalls konstant weiter als jeder normale Deutsche billigen würde. Nicht dass es mich gestört hätte, ich bin ja nicht normal, wa? Interessant war auch die Erfahrung, dass der Flug nur zwischengelandet ist in Belo Horizonte, und der Name nicht angesagt wurde. Viele sind sitzengeblieben für Sao Paulo. Da wir auch noch eine Viertelstunde zu früh da waren, konnte ich mir gut vorstellen, einfach falsch auszusteigen. Vielleicht "hält" der Flug ja auch noch woanders? Busfeeling halt.

Erster Gedanke in Belo Horizonte: Das ist der Flughafen von einer 3,4 mio Stadt? Der ist so groß wie der in... Girona? Frankfurt Hahn? Süß.
Zweiter Gedanke: Das südliche Flair hat ich wieder. Erdige Töne dominieren das Straßenbild, ich fühle mich an Barcelona erinnert.
Dritter Gedanke: Und jetzt? Meine Verständigungsschwierigkeiten sind bis jetzt doch ziemlich herb, stehe unerwartet und ungewohnt unsicher und (5x un!) orientierungslos vor dem Flughafen, eine Adresse und eine Telefonnummer in der Hand. Ohne Geld. Gegenüber stehen zwei Handvoll Geldautomaten. Ich zücke also meine Citibank-Karte und stratze da hin.

Nun stehen da also diese neun Automaten. Erst mal muss ich drauf klar kommen, dass man seine Karte sofort wieder rausziehen muss, wenn man sie ein mal reingesteckt hat.
1. Automat: Ich checke die Bedienung nicht, geh lieber weiter bevor ich was falsch mache.
2. Automat: Nimmt keine EC-Karten.
3. Automat: Liest meine Karte nicht.
4. Automat: Keine EC-Karten.
5. Automat: Fehler bei der Kartenlesung.
6. Automat: Außer Betrieb.
7. Automat: Keine EC.
8. Automat: "Kann gerade keine Auszahlungen vornehmen"
9. Automat: Keine EC.
Ohne Geld kein Telefon und kein Bus. Das wars dann also. Schade.
Nach kurzem Verzweifeln versuch ich den ersten noch mal und da funktionierts dann tatsächlich. Geld da, nur leider nur Scheine. Mehrere Konversationen mit Verkäufern habe ich mit meinem gebrochenen Portugiesisch zwar keine Münzen fürs Telefonieren, aber zumindest eine Telefonkarte ergattert. Ist doch auch was. Wär schön, wenn denn jemand ans Telefon gehen würde. Erst zwei mal tuten, dann Verbindung abgebrochen. Dann nur noch Fehlermeldungen bei erneuten Versuchen. Brasilien, Land der Fehlermeldungen.
Mir fällt auf, dass irgendwelche Absprachen ob meiner Ankunft in Belo Horizonte, wann ich wo ankomme und wie ich da hin komme und überhaupt, wohl angebracht gewesen wären.

Was solls, ohne Telefonmöglichkeit frage ich mich nach dem Bus durch, erfahre dass der zumindest in genau das Stadtviertel fährt wo ich hin muss. Ohne Karte wäre ich sonst auch ziemlich aufgeschmissen... Meine Vorbereitungen kommen mir erschreckend stümperhaft vor, ich war schon stolz mir die Adresse rausgeschrieben zu haben... tststs...

Im Bus überkommt mich die Müdigkeit, in Deutschland ist es bereits halb drei und ich bin seit einer Ewigkeit unterwegs... aber eigentlich kann ich sehr zufrieden sein. Mein Visum habe ich problemlos bekommen, keine Probleme beim Umsteigen, mein Gepäck ist da, ich bin im Bus in die Stadt und ich lebe noch. Die Gewissheit, dass ich an der Endstation raus muss, lässt mich ein wenig einnicken.

Dort angekommen stehen zu meiner Überraschung Anna Lena, Renata und Alice bereits am Busbahnhof um mich abzuholen. Erleichterung. Eine heiße Schokolade in meinem neuen zu hause lässt mich warm werden und die beste Überraschung kam sowieso beim Tür aufmachen: ICH LEBE WIEDER MIT EINER KATZE ZUSAMMEN!


Das kann ja nur super werden. Ein geschriebene Email und ein Besuch bei den Nachbarn inklusive süßem Schwarzbier mit Drehkronkorken später fall ich ins Bett und kann in Ruhe schlafen... vier Stunden, bevor mich mein Jetlag um halb sechs morgens weckt.
Na dann Prost.

3 Kommentare:

  1. XD
    oh my fucking good
    das ist so typisch... warum hast du nicht noch irgendjemandem dein gepäck mitgegeben, damit du im bus nicht so viel zu tragen hast? :-P

    :-*

    AntwortenLöschen
  2. Beziehst du dich jetzt etwa auf das fehlende Geld? :P
    Ich komm schon immer irgendwie durch ;-)
    Und deinen Rechtschreibfehler find ich sehr passend ^^

    AntwortenLöschen
  3. ich bin restlos begeistert! so musses sein, das reisen.
    ich drueck dir weiter die daumen.
    UND wir holen uns schon die besten infos fuer weihnachten! ferran war laenger da und schwaeaeaermt! ich freu mich schon!
    wird alles sehr spannend.
    besos!

    AntwortenLöschen