Mittwoch, 29. Juli 2009

Der zweite Tag.

Song des Tages: Foo Fighters - Next Year

Mein Plan für die nächsten Tage beim ins Bett gehen am Samstag war klar: Die letzten Dinge in Deutschland klären, Belo Horizonte erkunden, erste Informationen von den Univeranstaltungen einholen und mich mit der Sprache und meiner neuen Familie bekannt machen.
Rückblickend habe ich bis jetzt bloß das letzte, mit großen Einschränkungen bei der Sprache, geschafft.

Aber der Reihe nach.
Am Sonntag dusche ich erst mal. Nein stopp. Die drei Stunden, bis die andern um halb 9 aufstehen, verbringe ich am Computer und lasse mir die Ohren von unsern Nachbarn mit klassischer Musik zudröhnen. Am Sonntag morgen um sechs klassische Musik auf Lautstärke eines Rockkonzerts hören... wo bin ich hier gelandet? :) Aber zurück zum duschen. Natürlich kalt. Gibt ja nur einen Hahn. Und das mir als Warmduscher. Ich stelle mich auf eine entweder sehr wache oder sehr stinkende Unizeit ein. Natürlich schaffe ich es auch beim ersten Versuch, diesen einen Hahn so zu drehen, dass er sich nicht mehr bewegen lässt. Die Dusche läuft und läuft und läuft... typisch Milan... Zum Glück bekommt Renata das mit ein wenig Gewalt wieder hin. Anna Lena erklärt mir dann, dass man auch warm duschen kann, aber manchmal die Sicherung rausspringt und man sie dann halt wieder reinsetzen muss... eine Sorge weniger. Auch schön brasilianisch: Nach jedem Duschen muss man das gesamte Bad zusammenwischen, da die Dusche überall hin spritzt. Yay!
Wie inzwischen jeder Besucher auf den Fotos rechts bemerkt haben dürfte, haben wir auch eine Hängematte auf dem Balkon. Sehr geil.

Als die andern aufgestanden sind biete ich mich selbstredend an, Brötchen zu holen. Was für ein Spaß, mit meinen Portugiesischkenntnissen... der nette Verkäufer im Laden grinst mich nach zwei Worten an und fragt "Alemao?" Argh, wie peinlich, aber ich kann auch nur grinsen.
Mittags gehen wir dann alle vier auf einen Markt, um verschiedene Sachen zu suchen. Sehr viele Eindrücke prasseln auf mich ein... ich lass das alles erst mal einwirken und bin total begeistert. Alleine würde ich mich aber noch nicht hier hin trauen (inzwischen sieht das schon anders aus).

Später sind wir dann zum Flughafen gefahren, um Anna Lena wegzubringen. Ich bin auf dem Weg im Auto eingeschlafen... zu viel, zu müde, zu dreckige Augen... nach dem Abschied am Flughafen (Anna Lena hat mir netterweise noch ihre SIM-Karte) sind wir wieder in die Stadt gefahren, essen gehen. Eine lustige Eigenschaft der Brasilianer ist sowieso, nichts anzukündigen. Also ich weiß nie wann wir wohin wie lange gehen, ich bin einfach dabei. Sind halt Ferien. Die Leute haben den ganzen Tag Zeit :) Während der Fahrt habe ich einige Favelas gesehen und unheimlich viele Kinder, die Drachen steigen lassen. Hab mal gehört, das sei ein Zeichen, dass die Drogen angekommen sind (so wie z.B. gezündete Böller, passiert am Samstag abend), aber ich bleibe lieber naiv. :-)
Im Restaurant habe ich dann einen Salat bestellt. Einen Salat, den ich nicht aufessen konnte. Bei bestem Willen nicht. Einen fucking Salat! Kein Wunder, dass eine der ersten Sachen die mir hier aufgefallen ist war, dass die Leute mehr Bauch haben als in Deutschland, oder ihn zumindest mehr zeigen :-) Aber lecker war das, mannomann. Und verhältnismäßig billig, wie sowieso alles hier.

Auf der Rückfahrt habe ich zum ersten mal wirklich Belo Horizonte gesehen, der beste Vergleich wäre, sich ein fünfjähriges Kind vorzustellen, dass mit einem Haufen Bauklötzen auf die Stadtplanung losgelassen wird. Komplett chaotisches Stadtbild und hügeliger als die schönsten San Francisco-Fantasien. Aber hübsch anzusehen, bloß Fahrrad fahren möchte man hier nicht.

Zu hause bin ich erst mal in mein Zimmer und hab ne laaange Mail geschrieben (hihi) und n bisschen im Netz gesurft, runterkommen und so.

Später, als ich eigentlich bloggen wollte, kam Renata völlig verstört ins Zimmer und hat mich vollgelabert, ich habe erst mal 2 Minuten gebraucht um zu verstehen, dass im gegenüberliegenden Hauseingang eine Frau anscheinend um Hilfe ruft, dass sie blute und so. Wir sind zum Balkon gelaufen und haben rübergeschaut, während Renata mir erzählt, dass diese Frau schon länger lautstarke Probleme mit ihrem Freund hat. Ich habe mir was übergezogen und wollte runtergehen um nachzusehen aber Renata meinte dann, dass ihr das doch zu gefährlich wäre und dass die Nachbarn schon die Polizei gerufen hätten. So war es dann auch, die Bulleria kam kurz darauf (die hier aussieht wie das Militär, echt gruselig) und haben sich der Sache angenommen. Sie sind mit der Frau nach oben gegangen (anscheinend war sie nicht schlimm verletzt) und das einzige was blieb war der Hausmeister, der eine kleine Blutlache aufgewischt hat. Gruselig... willkommen in Belo... deswegen auch ein wenig zu komisch drauf gewesen um zu bloggen.

So viel also zu meinem zweiten Tag, mehr folgt bald. Dann auch nicht mehr so detailliert, es passiert halt so viel in den ersten Tagen...

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