Zuerst eine recht gute Nachricht: Ich habe entdeckt, dass ich die Fotos der letzten Wochen auf meiner Kamera noch nicht gelöscht hatte, deswegen sind die letzten Fotos meiner Reise und der kleine Ausflug in den Parque Mangabeiras noch erhalten geblieben. Hier also ein ziemlich gut gelungenes Foto von Daniel beim Skaten, unten ein paar herzzerreißend niedliche Fellknäuel, die dort über den Rasen watscheln und professionell süß aussehen.
Ansonsten ist ziemlich viel passiert in letzter Zeit. Nachdem Lucas, mein Partner im Dokumentarfilmseminar, und ich uns ein neues Projekt für unsere Fotoaufgabe ausgedacht hatten, sind wir letztes Wochenende mit vier Leuten auf Fotoshootingtour gegangen. Das war ziemlich spannend, vor allem mussten wir gleich zu Anfang mit Miguel im Shopping Center Sicherheitsmänner ausmanövrieren, da im Gebäude jegliches fotografieren verboten ist. Und die stehen an jeder Ecke, in jedem Gang. Da wird man wirklich paranoid. Wir haben uns dann mit glücklich gewählten Winkeln (Sicherheitsmann sieht die Kamera nicht, da der Fotograf hinter einer Säule steht) oder anderen Taschenspielertricks (ich laufe einmal um den Block, frage den Sicherheitsmann irgendeine strunzdoofe Touristenfrage und verwickel ihn in ein 10-Sekunden Gespräch während die andern beiden hinter seinem Rücken die Fotos schießen) ausgeholfen. Es war gleichzeitig bedrückend und aufregend. Die anderen drei Persönlichkeiten waren zwar nicht so kontrovers zu portraitieren, aber auch eine schöne Erfahrung. Nach Auswahl der Fotos am Montagabend und letzten Feinschliffen (womit der gesamte Schnitt, Musik - danke für die Songhilfe, Dave! - und Intro/Outro gemeint ist) in den zwei Stunden vor Präsentation am Dienstag ist ein echt schönes Video draus geworden, wie wir finden.
Da die meisten von euch Schwierigkeiten mit der Einleitung haben werden, hier eine (nicht wortgetreue) Übersetzung des Textes:
Titel: Extremos
Einleitung 1: Wir luden vier Personen ein, sie an zwei Orten zu Portraitieren. Ein Ort, an dem sie Gefühle der Freiheit, Ruhe und Gelassenheit verspüren. Ein Ort, an dem sie sich eingesperrt, unwohl und erstickt fühlen.
Einleitung 2: Wir stellten die Fotos so zusammen, dass sich immer drei Fotos eines Ortes gegenüber stehen, um die Veränderung im Verhalten der Personen nachzustellen, so wie wir sie auch während der Produktion dieses Projekts verspürt haben. (Anm: Das war wirklich so, wir haben uns während der Produktion an den Orten jeweils entsprechend gefühlt, obwohl ich z.B. zuvor schon öfters in dem Shopping Center war und es mir noch nie so aufgefallen war)
Bitte bei der Qualität des Videos bitte zumindest 780p einstellen (1080p dürfte bei den meisten Rechnern zu extremen Wackelbildern führen, mein Laptop machts zumindest nicht mit), Fotos machen sich nicht so gut ohne Schärfe. Und bitte auf Vollbild gucken.
Durch die Produktion unseres Kurzfilms wurde leider mein Fertigwerden mit einer kleineren Aufgabe für Comunicação e Cultura verhindert. Dazu kam dann noch die Klausur, die wir am Dienstag in die Hände gedrückt bekommen haben und die bis Mittwoch morgen fertig werden musste. Zugegeben, dass wir die Klausur bekommen war angekündigt, nur neben den Fotoshootings und der Nachbearbeitung hatte ich keine Zeit zum Lernen. Und nebenbei hielt ich es auch nicht für nötig, da ich ja einen Tag Zeit zur Bearbeitung hatte. Nachdem ich allerdings von halb acht bis drei Uhr nachts an den Notizen eines Textes gesessen hatte, die dann zur Klausurantwort verarbeitet werden wollten, macht mein Hirn einfach nicht mehr mit. Habe gut eine Stunde dagesessen und versucht, einzelne Sätze und Gedanken miteinander zu verbinden, was allerdings keinerlei Früchte getragen hat. Also schrieb ich eine Mail an die Hilfskraft unserer Professorin mit einer Erklärung und einer Bitte um Verlängerung um einen Tag (die mir netterweise gegeben wurde). Das hätte ich mir aber auch sparen können. Da ich von Dienstag auf Mittwoch keinen Schlaf mehr gefunden hatte und nach einer ausgedehnten Siesta am Mittwoch anfing, mich wieder mit der Aufgabe zu beschäftigen, fiel mir auf, dass mein Unvermögen wohl eher auf einen akuten Fall der allseits bekannten "Ich-bin-mir-nicht-wirklich-sicher-was-diese-Arbeit-von-mir-will-aber-ich-vermute-ich-müste-alle-bisher-gelesenen-Texte-im-Kopf-haben-um-sie-beantworten-zu-können"-Krankheit zurückzuführen war. Ich war irgendwie total braindead und hab ausgesprochen unsicher, unvermögend und dumm gefühlt. Vor allem weil ich dachte, nicht noch einmal dasselbe Problem wie vor einem halben Jahr erleben zu müssen. Ich weiß nicht, inwieweit ich meine Entscheidung noch hier ausführen muss, es sind aber auf jeden Fall letztendlich mehr Stunden für Verzweiflung und Abwägung meiner Optionen draufgegangen als für die Konvertierung meiner Notizen in zusammenhängende Sätze. Ich habe einfach keinen Anfang gefunden, keine echte Relation zwischen den Notizen und der Aufgabe. Nun sieht es ganz danach aus, dass mein nächstes Semester in Weimar wohl doch nicht so ruhig wird. Ich werde ein Projektmodul und zwei kulturwissenschaftliche Seminare machen müssen, was im Normalfall auch drei Hausarbeiten entspricht. Und danach direkt im Anschluss meine Bachelorarbeit. Eigentlich wollte ich genau das vermeiden, aber da muss ich jetzt wohl durch. Und eventuell gibt es ja doch noch eine andere Möglichkeit (Backup-Festival z.B.). Ich werde dieses Semester allerdings weiterhin die Seminare besuchen und auch an den Referaten teilnehmen. Interessieren tun mich die Themen sowieso (Hey, wir reden über Marxismus! ;-) ).
Am Donnerstag bin ich nun letztendlich umgezogen. Außerordentlich komisches Gefühl. Meine neuen Mitbewohner sind sehr nett, wenn auch eventuell ein wenig (aber nur ein wenig) zu "männlich" für meinen Geschmack, was aber zugegebenermaßen nicht schwer ist, in die Kategorie fallen schließlich 90% aller Typen. Da bin ich mit den beiden noch gut dran. Und wie gesagt, nett sind sie. Die Wohnung ist echt ganz schön, liegt recht gut, wenn auch viel zu weit von der Uni entfernt... naja. Ameisenprobleme in Bad und Küche, aber mit sowas kann ich leben, alle drei Wohnungen in denen ich hier gelebt habe hatten Ameisen. Eins ist allerdings wirklich ein Anfängerfehler von mir: Ich habe nicht über die Nähe zur Bahnhofsstation nachgedacht. So ca. ein mal pro Stunde gibt's eine Live-Nachfühlung der wohlbekannten Dinner-Szene aus Se7en, bei denen das Apartment zu wackeln anfängt. Für die Älteren unter euch: Der Schuss der Kanone in "Marry Poppins" ;-) Nein, ganz so schlimm ist es nicht, aber ich kann mir schon vorstellen, davon ab und zu mal aufzuwachen. Wir werden sehen. Dafür habe ich zumindest mein eigenes Zimmer mit einem Bett. Möbel mache ich in den nächsten Tagen. Leider gibt es hierzulande kaum Bierkästen wie bei uns, mit denen sowas schnell erledigt wäre. Ich wage den Versuch einer Bierdosenvariante. Sehr interessant wird es auch sein, ohne Internet zu wohnen. Zum ersten Mal seit laaaaanger Zeit. Hab ich schon am ersten Tag gespürt. Bin sehr gespannt, wie sich das auf meinen Alltag auswirkt, wie viel Zeit ich in der Uni verbringen werde und was ich zu hause so mache, wenn ich mal nichts zu tun habe. Wie HABT ihr Leute der älteren Generation nur gelebt damals? *ironischeslachen*
Äußerst unschön ist die Tatsache, dass sich in den letzten Tagen ein Loch in meinem linken hinteren Backenzahn gebildet hat. Gestern war es äußerst schmerzvoll. Ich putze nun meine Zähne nach jedem kleinen Happen oder anderen Getränken als Wasser und das scheint zumindest für heute geholfen zu haben, ich fürchte aber, dass ich bald doch zum Zahnarzt muss. Das hatte ich für mein Jahr hier eigentlich vermeiden wollen. Nichts gegen Vorurteile, aber Zahnarzt in Brasilien...? Naja was red ich da, vermutlich sind die genau wie in Deutschland, bloß mit mehr Samba... urgh, nicht erwünschenswert für Zahnärzte.
In other news: Es tut unheimlich gut, wieder richtig Basketball zu spielen. Auch wenn mir diese Woche an beiden Tagen durch den Regen ein Strich durch die Rechnung gezogen wurde. Capoeira habe ich auf Grund meines Knies vermutlich komplett aufgegeben, vor allem wenn ich sowieso zwei bis drei Mal die Woche umsonst (Capoeira kostet ja 40 Reais im Monat) Basketball spielen kann.
Auch schön: Am 16. April sind Placebo in der Stadt! Endlich mal ein Konzert einer richtig guten Band. Zugegebenerweise habe ich nie besonders viel Placebo gehört, tus jetzt allerdings in Vorbereitung aufs Konzert recht viel und freue mich schon sehr drauf. Neben dem musikalischen Aspekt ist die Band auch einfach gerade (Hilfe, Füllwörter!) für mich unheimlich interessant aus Gendertheorie-in-Musik-historischer Sicht. Und so nebenbei halte ich die Jungs für Mitbegründer der Emokultur (neben Nirvana, autsch, dafür krieg ich auf die Mütze), welche mir ja recht sympathisch ist, auch wenn das die meisten Mitstreiter meiner Generation nicht so richtig verstehen können. :) Aber vor allem ROCKEN sie auch hart ^^ Da zahl ich die umgerechnet 30 Euro doch gerne.
Ansonsten steht fürs Wochenende eine genauere Auslotung meiner Reisepläne für kommenden Sommer an.
Soweit ich mich nicht zu lange mit der Aufrichtung von Möbeln und Einrichtung meines Zimmers aufhalte, oder mich von unzuverlässigen Brasilianern und ihren Terminabsagen ärgern lasse, hört man bald wieder von mir.
Wünsch euch allen frohe Ostern!
Viel Spaß bei Placebo! Wird toll, hab sie auch oft gesehen.. Schönes Statement was die Emo-Kultur angeht.
AntwortenLöschenKönnte jetzt vieles aus deinem Post kommentieren, aber das mach ich mal im chat :)
Ich wünsch Dir weiterhin viel Kraft! Und kreative Energie, um stylische Bierdosenmöbel zu basteln und Backenzahnlöcher wegzuputzen!
Ui... da musst du jetzt aber einiges erklären!
AntwortenLöschen1. Inwiefern sind Placebo in Bezug auf die Gender-in-Musik-Frage interessanter als so ziemlich alle anderen Bands? (Ich muss dazu sagen - ich HASSE Placebo soweit man ihre Singles usw. im Radio hört. Außerhalb der Zwangsbeschallung habe ich mich noch nie mit der Band befasst, das Video, das du verlinkt hast, hat mir gefallen, vermutlich, weil es instrumental ist.)
2. Wie kommst du darauf, dass Nirvana und Placebo Mitbegründer der Emo-Kultur sind? Die Argumentation würde mich wirklich interessieren... (auf die Mütze gibts erst, wenn du daran gescheitert bist, mich davon zu überzeugen - wovon ich ausgehe :-P)
lg
achja, und ich hoffe, die Mukke ist nicht Gema geschützt... ;-)
AntwortenLöschen