Samstag, 20. März 2010

Blank Slate

Moin Moin Deutschland.
Bei mir ist es zwanzig vor fünf und ich kann nich schlafen.
Einiges passiert in den letzten Tagen:

Zunächst erst mal ist mir beim Neuinstallieren meines Windows meine externe Festplatte auf den Boden gefallen und wurde funktionsunfähig. Natürlich zu dem einzigen Zeitpunkt, an dem ich all meine Dokumente, Briefe, Gedichte, Studiumsaufzeichnungen und Referate, Hausarbeiten, FOTOS, Musik, etc., an nur einem Ort gespeichert habe, weil mein PC formatiert wird. Am Donnerstag bin ich zu nem Spezialisten, der nach einer Stunde Untersuchungen mit mir zusammen herausgefunden hat, dass die Platte wirklich überhaupt nicht mehr reagiert. Meine einzige Rettungsmöglichkeit besteht nun in einer Restaurationsaktion, die hier aber vermutlich so viel teurer ist als in Deutschland (da werd ich noch nachforschen), dass ich damit bis September warte. Aber allein die Möglichkeit, einen Großteil (alte Versionen der Dateien und Fotos hängen vielleicht noch irgendwo zwischen meinen Sachen in Deutschland auf BackupDVDs rum, aber eigentlich hab ich damit aufgehört seit ich in Weimar bin...) meiner gespeicherten Daten verloren zu haben, gibt mir ne unschöne Gänsehaut. Wer schon mal ein geliebtes Fotoalbum verloren hat oder ein Tagebuch verbrannt, weiß vermutlich wies mir grad geht.

Zum Glück ist der Donnerstag etwas schöner ausgeklungen. Erst einmal bin mich zum Basketball gegangen, weil man mir gesteckt hatte, dass Dienstags und Donnerstags ab 19.30 gespielt wird. Mit so späten Uhrzeiten hatte ich naiver Deutscher natürlich nicht gerechnet, da der Platz ja im Freien liegt und da is doch abends immer so kalt und dunkel... kalt gibt es allerdings hier nicht und für letzteres gibt es Flutlichter. Da ich etwas früher da war, hab ich mich erst etwas warm geworfen, dann ein spannendes und anstrengendes 1-on-1 Turnier mit einem Brasilianer gefochten (knapp 2:1 für mich) und danach wurde 5-on-5 Full Court gespielt. Also normales Basketball, für alle Nicht-Fans. Und relativ guter sogar. Endlich wieder Leute, die wissen wie man Basketball spielt. Viel zu lang her. Das letzte Mal, dass ich so Basketball spielen konnte, war Ende Juni letzten Jahres. Nach zweieinhalb Stunden ununterbrochener Action bin ich völlig fertig aber zufrieden in die Dusche gesprungen, äh, gehumpelt und zur Uni runtergelatscht. Denn...

Jeden Donnerstag ist Party in der Geographie-Fakultät, wo dann auch ein Feuerchen auf dem Rasen gemacht wird und sich so ca. 200 Leute durch die Gegend versammelt einfinden um gemeinsam Samba zu machen, zu tanzen und zu Bier und bewusstseinserweiternden Pflanzenerzeugnissen den Grill anzuschmeißen und generell gut drauf zu sein. Zwanglos gesellen sich Unbekannte zu einem und fangen ein Gespräch an. Man lernt Leute aus dem Kongo kennen und erfährt von den vier unterschiedlichen afrikanischen Sprachen, die man in diesem Land so spricht. Wenn der Satz des Abends "Je não have pas" ist, war's international.

Am Freitag musste ich einen einstweiligen Entwurf unserer Idee für das Fotoprojekt ausmalen. Nicht allzu viel zu tun. Das war aber auch gut so, denn alle Muskelfasern in meinem Körper hatten sich gemeinsam zur Meuterei gemeldet und malträtierten meine Nervenzellen mit jeder minimalen Bewegung durch langanhaltende und lähmende Schmerzen. Und meine Füße waren auch mehr Blasen als anatomisch sinnvoll. Aber das was wert.

Am Samstag gings dann zu nem Geburtstag von einer Argentinierin. Wir haben gegrillt und am Pool rumgehangen, später auch noch Caipis und Bier dazu. Den ganzen Nachmittag lang habe ich eigentlich darauf gewartet, dass die beiden Spanierinnen endlich zu Potte kommen, da sie mit mir auf ein Musikfestival in der Stadt kommen wollten, auf dem Rock und Ska gespielt wurde (eine Seltenheit in BH), inklusive einer Band aus Lettland. Aber natürlich wurde da nichts draus. Hätte ich drauf wetten können. Zum Glück bin ich ja flexibel und hab einfach versucht, das beste aus der Situation zu machen. Mit Sonne, zwei strahlend schönen Regenbögen am Himmel, einem Musikstudenten mit Gitarre, Gesang, Grill und Caipirinha war das auch nicht allzu schwer. Gegen Abend ist mir dann DIE Idee für unser Fotoprojekt gekommen, die ich inzwischen in Gedanken ausgeweitet habe und dann, wenn das Projekt fertig ist, hier auch präsentieren werde. Ist mir jetzt allerdings zu viel Erklärungsaufwand. Die Story des Abends kam dann als wir in die Stadt zu ner andern Party fahren wollten. Zu fünft im Auto, Lucas (mein Partner im Fotoprojekt) lässt den Motor an und WHOOOOSH! ich sehe eine Feuerzunge durch die gesamte Motorhaube hervorschießen. Auf Grund meines leicht angetrunkenen Zustand und der kurzen Dauer des Ereignisses (irgendwie hatte auch niemand der Anderen Zeit zu reagieren) halte ich dieses Geschehen zunächst für irgendwas eingebildetes, dann startet Lucas den Motor allerdings ein zweites Mal, und dieses Mal bleiben die Flammen nach dem Feuerstoß auf der Motorhaube und züngeln weiter. Innerhalb von wenigen Sekunden, die einem in solchen Momenten wie Ewigkeiten vorkommen, evakuieren wir uns selbst vom Auto und nehmen erst mal Abstand. Dicke Rauchwolken entsteigen dem vorderen Teil des Wagens. Die Flammen waren auf einmal nicht mehr auf der Motorhaube zu sehen, dafür tropfte allerdings Flüssigkeit in eine brennende Lache unter dem Auto. Durch meinen Kopf sauste irgendein Gedanke, der was mit "Feuer brennt das Auto von unten an" und "Ich habe keine Ahnung wo der Benzintank bei nem Auto ist aber bestimmt nicht im Dach und wenn das Feuer unterm Auto durch die Karosserie brennt könnte es ein Problem geben" zu tun hatte, worauf ich schnell Lucas alarmierte und wir das Auto schnell ein paar Meter weiter schoben (dass es IN der Motorhaube weiterhin brannte fiel mir erst in diesem Augenblick auf). Just in dem Moment fuhrt ein Polizeiauto vorbei und sieht nach dem rechten. Nachbarn hatten sich bereits im gegenüberliegenden Haus an Fenstern und auf Balkonen versammelt (anscheinend ROCH man in der Geschwindigkeit, dass auf der Straße was brannte). Die Polizisten erinnern Lucas nach einem Blick in die brennende Motorhaube freundlich an seinen Feuerlöscher im Kofferraum, mit dem dann nach kurzer Zeit auch das Feuer bezwungen war und nur noch einzelne Gummiteile vor sich hinschmorten. Einer der Polizisten zieht an einem länglichen Band und zaubert ein etwa ein Meter langes, abgetrenntes Stück Gummiband aus der Motorhaube hervor. Ich wäre gestorben für eine Videokamera in diesen Momenten. Absolut filmreif.

Nun sitze ich zu hause. Am Mittwoch möchte ich gerne umziehen. Dazwischen warten weitere Seminare, eine Zusammenfassung meiner Projektidee, die ich morgen schreiben muss, und meine ersten Nachhilfestunden in Deutsch (ja, ich gebe wieder Unterricht). Achja und morgen Abend ist ein Megakonzertevent in der Stadt, wo irgendwelche riesig bekannten Bands MPB (Musica Popular Brasileira) spielen. Mal sehen, kann man ja hingehen. Die gute Laune umgibt einen auch dann, wenn man selber manchmal Schwierigkeiten hat, hineinzufinden.

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