Samstag, 12. September 2009

What just happened?

Wo fang ich an? Natürlich beim Wetter :)
Heiß ist es geworden. Also, ich finds ja angenehm, tagsüber konstant über 30 Grad zu haben und selbst nachts nicht mehr unter 20 zu rutschen. Sonnenbrand hatte ich bis jetzt interessanterweise noch überhaupt nich.

Die Uni läuft so einigermaßen, was mir allerdings wirklich Probleme bereitet sind die frühen Anfangszeiten... drei mal die Woche um 6 aufstehen zu müssen ist einfach ein bisschen viel für mich, wo ich die letzten Jahre eigentlich selten vor 12 ins Bett bin und dementsprechend einen ganz anderen Rhythmus drauf hab. Die Müdigkeit hilft da auch nicht besonders bei der Konzentration in den Vorlesungen. Dazu kommt, dass hier natürlich die klassische Art der Vorlesung herrscht, also keine Stuentenbeteiligung, sattdessen Monologe der Profs. Was ein Problem für mich ist, da ich dauernd abdrifte in meinen Gedanken. Ein richtiger Teufelskreis, da ich mich wegen dem Portugiesisch stark konzentrieren muss, um überhaupt einzelne Sätze der Profs im Kopf verbinden zu können, geschweige denn ganze Abschnitte lang zu verstehen. Das macht es umso einfacher, in Gedanken abzuschweifen (gibt ja auch genug Sachen zum Nachdenken, wo so viel passiert und mich so viel beschäftigt hier), wo man auch nicht so leicht wieder rauskommt, da das Portugiesische Gebrabbel der Profs eben keine Auslöser im Unterbewusstsein schaltet, die einen wieder zurückholen. Soll heißen: Wenn ich in der Schule früher oder auch in der Uni in Weimar in Gedanken versunken bin, dann hab ich im Hinterkopf eben noch mitgehört was der Prof gesagt hat und wurde deshalb von vereinzelten Sätzen, die sich in die vorderen Bereiche der Bewusstseinsebenen gedrängt haben, wieder zur Konzentration gerufen. Portugiesisch ist stattdessen wie Fahrstuhlmusik im Hintergrund. Zu allem Überfluss geht Mitschreiben halt auch überhaupt gar nicht, weil ich eben schon viel zu sehr damit beschäftigt bin, überhaupt der Argumentationslogik zu folgen. Wovon dann auch nicht viel hängen bleibt, da ich mich ja gleich auf die nächsten Sätze konzentrieren muss.

In einen richtigen Lebensrhythmus finde ich nur schwerlich rein. Ich hab das Gefühl, dass mir ein wenig die Zeit fehlt, was auch an den zwei Stunden liegen kann, die mir an Unitagen durch die Hin- und Rückfahrt genommen werden. Die sind super zum Musikhören und nachdenken, aber lesen kann man in den Bussen nicht wirklich (nicht, weil einem da übel werden würde, sondern weil es so wackelt, dass man wirklich nicht lesen KANN). Ausgegangen bin ich seit vor der Grippe überhaupt nicht mehr. Da fehlen mir auch irgendwie die richtigen Leute zu. Die Ausländer sind halt nette Leute, aber eben nicht so ganz meine Schiene in der Hinsicht. Aber ich hab so ein bisschen Kontakt zu den Brasilianern in meinen Kursen aufgenommen, vielleicht wirds mit denen mal was.

Zurück zu letzter Woche: Nachdem ich mir beim Basketballspielen Blasen gelaufen hatte, bin ich abends nicht zum Capoeiratraining und war mir auch nicht sicher, ob ich mit zum Capoeirawochenende in Timoteo mitfahren kann. Hab mich dann aber schließlich doch dafür entschieden. Am Samstag morgen sind wir dementsprechend mit einem Kleinbus losgetuckert. Ich hab hauptsächlich versucht zu schlafen. Die vier Stunden Autofahrt waren recht interessant, da unser Fahrer augenscheinlich von verfeindeten Capoeira-Vereinen angeheuert war, um uns alle verunglücken zu lassen. In einer Autoschlange, die hinter einem Laster hinterherkriecht, völlig sinnbefreit unseren Vordermann (ein Polizeiauto) zu überholen, fand ich ja noch recht amüsant. Einen von zwei hintereinanderfahrenden 20m-Autotransportern in einer kurvigen Bergstraße mit Überholverbot und Gegenverkehr zu überholen und in die minimale Lücke zwischen diesen beiden Verkehrsriesen zu quetschen, die sich nur auftat, weil die netterweise Platz gemacht haben, woraufhin keine Sekunde später das entgegenkommende Auto uns fast den Seitenspiegel abrasiert, war dann schon etwas nervenaufreibender. Ich wollte ein Video von dem Fahrstil machen, aber hatte leider meine Kamera im Rucksack hinten. Beim Mittagessen-Stop hab ich meinen Capoeiralehrer gefragt, ob der Typ normal fahren würde oder ob das schon extrem wäre. Er meinte, das wäre leider keine Ausnahme. Ich meinte, ich wüsste nicht, ob ich das jetzt beruhigend oder bedenklich finden sollte :)

In Timoteo angekommen durften wir uns erst mal ausruhen, essen, das Haus erkunden und auf die Truppe aus Curitiba warten. Ich hab währenddessen gemerkt, dass meine Batterien für die Kamera durch das Basketball-Filmen quasi leer waren, hat dann leider nur noch für die paar Fotos gereicht, Capoeira-Video gibts aber trotzdem demnächst mal verlinkt, die Hausherren hatten dauerhaft ne Kamera mitlaufen. Als die Curitibanianer da waren, ging dann auch schon gleich die erste Trainingststunde los.

Abends sind wir noch in ne Bar gegangen und haben zugesehen, wie Brasilien den Argentiniern quasi die letzten Chancen auf die nächste Fußballweltmeisterschaft raubt (ja, wirklich) und ich hab Spaß mit dem Billiardtisch gehabt. Ich hab sowas noch nie gesehen, aber der Tisch war evtl ein ganz bisschen kleiner als ein normaler Tisch, dafür waren die Kugeln allerdings nur halb so groß wie normale Billiardkugeln und die Löcher waren so enorm komisch (die Ecken extrem nach hinten gesetzt, so dass es zB unmöglich ist, an einer Bande entlang in ein Eck zu spielen, dafür die mittleren Löcher so weit vorne, dass man mit ein wenig Gespür von jedem Punkt ohne Bande in beide spielen kann), dass ich... eine Menge dazulernen konnte :)

Da die Bande aus Curitiba keine Gnade kannte, haben sie in unserm Schlafraum bis drei oder vier Uhr morgens das Licht angelassen und geredet, wodurch ich am nächsten Morgen so gerädert war, dass ich liegen geblieben bin und erst aufgestanden bin, als die andern schon beim ersten Training waren. Hab dann schnell was gegessen und mich dazugesellt. Danach gabs Mittagessen. Dann wurde die nächste Capoeirastunde (Womit zwei echte Stunden gemeint sind, ein Training halt) erst auf zwei Uhr, dann auf drei, schließlich auf vier Uhr gesetzt, mit dem Kommentar, die dritte und letzte Stunde würde dann wohl ausfallen. Am Ende dieser Trainingseinheit wurde mir allerdings gesagt, dass es in ner halben Stunde weitergeht. Ich war zu dem Zeitpunkt schon komplett erledigt. Hab mir dann auch auf Grund fehlender Kraft bei ein zwei Radschägen ziemlich die Hand wehgetan, wodurch ichs dann gelassen habe und den Großteil des letzten Trainings nur am Rand gesessen habe. Wenn man keine Kraft mehr hat, sich aufzufangen, landet man eben ziemlich hart...
Ansonsten aber eigentlich überall gute Laune, nette Menschen, und brasilianische Jungs, die natürlich nur wissen wollen, wie man Frauen auf deutsch anmacht. Hab ich mich ja dran gewöhnt.

Sonntagabend bin ich noch mit zu meinem Trainer nach hause (zum warm duschen), der aus diesem Dorf kommt. War auch interessant. Vor allem, als ich nebenbei erfahren hab, dass wir doch nciht wie versprochen Montag morgen fahren, sondern erst um vier, weil wir vorher noch grillen irgendwo. Aha. Naja, ich wär zwar nich mitgekommen wenn ich gewusst hätte, dass ich den Montag auch noch weg bin, aber egal. Brasilien halt.

Das Grillen am nächsten Tag war für mich eher ne ausgedehnte Billiardrunde, da die zwei Tische da rumstehen hatten auf der Farmbar (ja, genau das war sie). Also um die Ferien da zu verbringen wärs echt genial: Großer Swimmingpool, Bananenstauden und Kokosnussbäume auf dem Gelände, Teiche mit Fischen drin (die auch gefangen und gegrillt wurden), eben Billiard, alles in der Natur und mit grün und sowieso sieht alles aus wie in Afrika (mangels Vergleich, da ich in meinem Leben durch Filme sehr viel mehr Eindrücke von Afrika als von Südamerika/Brasilien bekommen hab). Also vom Feeling her super.

Die Fahrt zurück war echt luxuriös, diesmal in einem richtigen Bus, in dem man die Sitze richtig weit nach hinten lehnen konnte und sogar Beinstützen hatte. Wow, damit fahr ich dann gern die sechs Stunden nach Rio... natürlich gab es Stau und wir kamen erst so um neun, halb zehn zu hause an, wo ich recht schnell ins Bett bin weil es am nächsten Tag ja wieder um 6 rausging.

Vollkommen zerstört (Capoeira ist aaaaanstrengend) sitz ich also am Dienstag in den Vorlesungen und freu mich auf Tokyo! am Mittwochabend. Nachdem ich Mittwoch sonst fast gar nichts geschafft habe, geh ich nachmittags mit Jenni und Isabel (die Amifrau) nen Kaffee in sonem Spezialladen trinken, der auf Kaffee und Zigarren spezialisiert ist, und in dem der Kaffee ausnahmsweise mal annehmbar schmeckt (der gute brasilianische Kaffee wird ja nach Europa und Amerika geschifft und alles was es hier gibt ist irgendwie... meh -.-), dafür dann aber umgerechnet auch so viel kostet wie in Deutschland (schockschwerenot!). Danach sind wir zum Hauptkino des Indie-Festivals (ja, das heisst wirklich so) und haben uns Shara angesehen, der echt ganz schön war, vor allem wegen den wunderschönen Aufnahmen eines japanischen Dorfes. Außerdem würd ich ganz gern mal die Average Shot Length von diesem Film wissen, die müsste nämlich irgendwo bei 20 Sekunden liegen, und das ist eine realistische Schätzung. Im Ernst, da waren so viele minutenlange Einstellungen drin, Children of Men würde neidisch werden ;-)
Nach diesem Film hab ich mir dann noch Tokyo! angeschaut, der völlig anders als erwartet war, und deswegen natürlich genau so wie erwartet. Einfach herr... äh, fantastisch! So schön abgedreht und gleichzeitig so gefühlvoll.

Abends hab ich dann noch mehr über dieses Indie.09 erfahren und musste einen kleinen Wutausbruch erleben als ich gemerkt habe, dass meine Nachbarn mir schon letzte Woche von dem laufenden Festival erzählt hatten und ich nur zu doof/uninteressiert/faul war, mich richtig zu informieren, was das ist und welche Filme da laufen. Ich find einige Sachen immer noch unglaublich: 1. das gesamte Festival kostet NICHTS, den Katalog bekommt man für ca. 80 Cent, jegliche Eintritte sind frei. 2. hab ich keine Ahnung wie, aber sie haben Antichrist von Lars von Trier zeigen können, der bisher nur in Cannes lief, der in der Filmszene grade für ziemlichen Wirbel sorgt, weil er so unheimlich provokativ sein soll, bei Spiegel.Online z.B. waren grade sowohl Interview mit LvT als auch Filmkritik auf der Hauptseite verlinkt und ich hab seit meiner Hausarbeit über LvT und Dogville einfach eine gewisse Faszination für diesen Regisseur entwickelt und wollte den Film UNBEDINGT sehen aber jetzt muss ich bis Ende des Monats warten... ich schweife ab. 3. was ich noch unglaublicher finde: von den 300 Plätzen im Saal waren 150-200 besetzt. Ich befinde mich in einer Stadt von 3,5 Millionen Einwohnern, es gibt ein UMSONST-Festival, und bei einem der Topfilme (Tokyo!) wird der Saal nicht voll? What the fuck? o_0 Naja.
Der Vorteil: Wir haben vor Shara schon eine Italienerin getroffen, die wir aus der Uni kennen und die später auch Tokyo! gucken wollte. Während ich in der Kartenschlange zu Tokyo! stehe, kommt Mosh (richtiger Name: Emanuel) angelaufen, den ich von der Graffitiaktion in der Favela kenne. Das da ist er:

Der ist total nett. Seine Flickr-Seite, wens interessiert. Naja und wir saßen da nebeneinander im Kino und rechts hinter uns saß die Italienerin und dann kam noch eine Spanierin rein, die auch schon ein halbes Jahr da ist, und die ich seit der Einführungswoche nicht mehr gesehen habe, und die mir dann gleich den Typen vor mir vorstellt, der auch Comunicacao Social studiert an der UFMG. Wie man in Brasilien sagt: Belo Horizonte ist ein Ei. (Die Welt ist klein...)
Sehr geil auch: Die brasilianischen Untertitel wurden bei Shara zusätzlich projiziert und waren so unglaublich unterschiedlich von den englischen, dass Jenni und ich uns die ganze Zeit wegschmeißen mussten. Als Tokyo! anfing, kam mir das Format ein wenig spanisch vor. Das war sah eher nach 32:4.5 als nach 16:9 aus. So wars auch. Nachdem ich mir 5-7 Minuten gequetschte Köpfe angesehen habe und niemand aber auch wirklich niemand im Saal sich daran zu stören schien (es gab nicht ein mal Gemurmel!) hab ichs nich mehr ausgehalten und bin nach hinten zum Vorführer (wenigstens steht die Tür der Vorführkabine - typisch brasilianisch - weit offen) und sag ihm, dass man den Film ja wohl nich so angucken könnte. Der guckt von seiner Zeitung hoch, sieht auf den Film und meint, das wäre so, da könne er nix machen. Nachdem ich ne Minute mit ihm diskutiere kehre ich wieder auf meinen Platz zurück und schmolle. Eine halbe Minute später unterbricht die Projektion, das Licht geht an und zwanzig Sekunden später läuft der Film im richtigen Format weiter. Kann ja nicht so schwer gewesen sein. Trotzdem komplett unglaublich für mich, dass niemand außer mir im Saal auch nur auf die Idee gekommen war, nach hinten zu gehen und was zu sagen.

Nachdem ich so begeistert davon war, wieder ein wenig Festivalatmosphäre zu haben und mich in Filmen zu verlieren, hab ichs mir am Donnerstag dann komplett gegeben. Morgens noch ziemlich übermüdet wieder in den Vorlesungen, hab ich mich aufgemacht und bin um 14.20 in den ersten Film, ein kanadischer. En plein coeur. War so lala, ganz nett gefilmt, aber so ein absoluter Kotzbrocken als Hauptfigur, mit dem man auch noch sympathisieren soll. Noch dazu diese übertrieben "realistische" Darstellung von Sex (Wir sind ein Independent-Film, wir MÜSSEN nackte Frauen zeigen! Und Pimmel! Nur so können wir Sex darstellen! Oh, wie wir gegen die amerikanische Prüderie rebellieren!), im Ernst: Das geht auch ästhetischer. Danach schnell ne Kleinigkeit gegessen und um 16.50 einen Takeshi Kitano Film angeguckt. Kantoku - Banzai!. Absolut genial. Von Takeshi Kitano hatte ich bisher nur Hana Bi gesehen, über den ich ja eine Kritik letzten Winter geschrieben habe und von dem ich sehr angetan war. Dieser Film war nun sehr anders und doch trotzdem irgendwie erkennbar Kitano. Die erste Hälfte war teilweise schreiend komisch, ich hab Tränen gelacht. Die zweite Hälfte des Films war dann einfach nur noch absurd. Aber keinesfalls schlecht, irgendwie ist nur die Narration größtenteils flöten gegangen. Trotzdem unheimlich unterhaltsam. Wer einen Vergleich braucht: Den Absurditätsgrad dieses Films erreicht Dainipponjin nicht mal annähernd. Wer den Film nicht kennt, einfach dieses Bild hier angucken. Also zum schreien komisch. Nach diesem Film bin ich zum Capoeiratraining gehetzt, danach wieder zurück zum Kino um mir um 21.20 Kinatay anzugucken. Den hätte ich mir allerdings auch sparen können. Über die Story mag man ja geteilter Meinung sein, aber wenn ein Film 80% der Zeit des nachts spielt und man in kaum einer Einstellung mehr als die Umrisse der Schauspieler sehen kann, dann verliere ich schnell das Interesse. Ehrlich, der Film war HÄSSLICH. Aber ich bin wieder Mosh in die Arme gelaufen und hab den Film mit ihm zusammen geguckt. Belo Horizonte é um ovo...

Morgens um 6.45 vom Wecker aufgeschreckt merke ich, dass ich den Tag nicht überlebe, wenn ich jetzt aufstehe, und leg mich wieder hin. Dann wird mein Filmseminar halt mal geschwänzt. Leben ist wichtiger ;) Nachmittags bin ich Basketballspielen gewesen, danach hab ich Jenni angerufen und wir haben uns in der Stadt auf einen Kaffee getroffen, dann sind wir einkaufen gewesen und haben gekocht. Pitas mit Spinat-Ricotta Füllung und jeder Menge Rohkost. Und morgen früh machen wir Crêpes. Jenni ist sowieso ne ziemlich gute Kumpanin hier geworden, man trifft sich ohne Probleme, kann zwanglos Sachen miteinander unternehmen oder eben gemeinsam kochen (wobei sie mehr kocht und ich mehr schnippel ^^), aber muss sich auch nicht jeden Tag sehen.

Meine größte Sorge zur Zeit ist Theorie der Öffentlichen Meinung. Nächsten Dienstag ist die Arbeit. Nachdem ich die letzte Aufgabe, drei Fragen zu hause zu beantworten (wo man den Text ja zur Hand hat) nicht mal annähernd gut erledigen konnte, und seit dem noch mehr unverständliche Materie und zig Seiten Text dazugekommen sind, hab ich begründete Bedenken, was meinen Erfolg in diesem Seminar angeht. Noch dazu bin ich das erste mal in meiner Uni mit etwas konfrontiert, was ich nicht kenne (bis auf ein mal evtl, in Tools & Basics): Unverständige, nicht hilfsbereite Profs. Meine Professorin mag ja gut unterrichten, aber ich hab mich vorgestern echt riesig über sie aufregen müssen. Es gehört ja wirklich nciht zu ihren Aufgaben, auf mich zuzukommen und mir das Studium zu erleichtern, das verlange ich auch nicht. Aber ich hab sie nach der Vorlesung freundlich gefragt, ob ich eventuell die Powerpoint-Präsentation haben könnte, die sie in den letzten beiden Stunden benutzt hat, weil da eigentlich alles recht verständlich zu sein schien und ich nur nciht die Zeit hatte, das alles abzuschreiben (ich bin da ja auch langsamer als die andern). Sie meinte, nein, das macht sie eigentlich nicht. Ich erkläre ihr, dass ich große Schwierigkeiten mit der Materie habe und dass ich nicht verstehe, warum ich die Präsi nich haben kann, wenn ich nur nicht schnell genug bin, alles abzuschreiben. Sie meint, alles was auf den Folien stand, stehe ja auch in den Texten, ich hätte ja alles da. Ich meine, dass GENAU DAS ja mein Problem ist, dass ich keine zweihundert Seiten für die Arbeit durcharbeiten kann, weil ich fünf mal so lang brauche, bis ich die Argumentation eines Absatzes verstanden habe, wie einer der brasilianischen Studenten. Sie meint, das wäre dann unfair den andern gegenüber, dann müsste sie die Präsi ja auch den andern geben. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht weiss, was sie daran hindert, erzähle ich ihr, dass es meinen Erfahrungen nach durchaus üblich ist, Ausländern mit Sprachproblemen ein bisschen mehr unter die Arme zu greifen und dass da normalerweise niemand was dagegen hat (Ganz abgesehen davon, dass es bei mir um das Bestehen dieser Prüfung geht und bei den andern um gute Noten). Sie meint dann abschließend, dass ich ja einen Termin mit ihrer Assistentin ausmachen könne, wenn ich noch Fragen zu den Texten hätte, die würde sich mit mir hinsetzen und mir die Sachen dann erklären. Na danke. Mein Problem ist ja, dass ich überhaupt gar nicht erst dazu komme, Fragen formulieren zu können, weil ich die Materie nicht fassen kann.

Dementsprechend sieht im Moment alles danach aus, dass ich auch dieses Seminar kicken muss. Ich mach das von der Arbeit am Dienstag abhängig. Es hat nicht viel Sinn, weiter zu machen, wenn ich da durchfalle. Auf der anderen Seite ist abzusehen, dass Bildtheorie alleine mir schon ziemlich viel abverlangen wird in naher Zukunft, wenn die ersten Arbeiten anstehen. Somit werde ich versuchen, mir Bildtheorie und das Filmseminar anrechnen zu lassen und nächstes Semester eventuell zwei kulturwissenschaftliche Seminare zu erwischen. Aber mal sehen wie das alles wird.

So viel also dazu. Jetzt muss ich "Die Helle Kammer" von Roland Barthes weiterlesen. Genug zu tun hab ich auf jeden Fall... :)
Bis demnächst!

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